Ist unsere Uni exzellent?

 

Unsere Stellungnahme zur Exzellenzinitiative

 

Der AStA der Universität Hamburg sieht das grundsätzliche Problem bei der Exzellenzinitiative (EI) darin, dass diese im Wesentlichen auf einer kurzfristigen Förderung weniger Forschungsbereiche fußt. Eben die nur zeitweise Förderung steht dem Gedanken von nachhaltiger Wissenschaft entgegen - und damit eigentlich auch dem Selbstverständnis der Uni Hamburg als Universität der Nachhaltigkeit.Ein zentraler Fehler der EI (und jeder anderen Drittmittelforschung) liegt dabei unserer Meinung nach darin, dass die Menschen, die in den Exzellenzclustern arbeiten, bis auf ganz wenige Ausnahmen befristet eingestellt werden. Dies ist natürlich aufgrund der zeitlich begrenzten Mittel gar nicht anders möglich, führt jedoch insgesamt bei den Arbeitenden im Wissenschaftssektor zu enormer Unsicherheit in der Lebensplanung, da die Menschen niemals wissen, wo sie in einigen Jahren arbeiten werden. Sich niederzulassen, eine Familie zu gründen oder langfristige, finanzielle Absicherung werden dadurch sehr erschwert oder sind mit großen Risiken verbunden. Der wissenschaftliche Mittelbau lebt zu großen Teilen in diesen prekären Arbeitsbedingungen. Der ebenfalls damit verbundene Stress führt dazu, dass sich weniger Menschen für eine akademische Karriere entscheiden und damit zum Verlust von qualifizierten Wissenschaftler*innen. Ebenfalls stellt sich bei allen drittmittelgeförderten (also auch EI-)Projekten die Frage der Ausstattung mit Räumen. Die werden projektgebunden vergeben und stehen damit nicht für normale Lehre und Forschung zur Verfügung.

Die meisten Studierenden haben die EI wenig bis gar nicht zur Kenntnis genommen. Wirkliche Resonanz kommt vor allem von den Aktiven in der Verfassten Studierendenschaft, d.h. aus dem AStA und den Fachschaftsräten sowie von den Menschen der betroffenen Studienfächer.Der AStA sieht die EI aus oben genannten Gründen insgesamt eher kritisch. Wir würden eine breiter aufgestellte und stetige Förderung von Forschung und Lehre seitens des Bundes bevorzugen, denn exzellente Forschung kann nur aus exzellenter Lehre entstehen.Positiv sehen wir an der EI, dass die Fachbereiche die erfolgreich einen Cluster einwerben konnten, nun in der Lage sind, teurere Anschaffungen (Messgeräte, Technik, etc.) tätigen zu können. Dies kommt indirekt auch den dortigen Studierenden zugute, da diese die Geräte dann auch nutzen können.Wir sehen aber kritisch, dass viele Ressourcen sowohl bei den angenommenen als auch den abgelehnten Fachbereichen für die Antragsstellung und die Verteidigung der angeworbenen Mittel aufgewendet werden mussten/müssen. Menschen, die Zeit und Energie in die Lehre oder die tatsächliche Forschung hätten investieren können, werden durch den zeitraubenden Bewerbungsprozess, aber auch durch die verlangten Zwischenberichte davon abgehalten. Der wissenschaftliche Nutzen der erstellten Papiere kann dabei in Frage gestellt werden.

Generell leiden die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen der Universitäten an chronischer Überlastung, da die Last der Lehre vor allem auf ihren Schultern liegt. Den Professor*innen bleibt durch die vielfältigen Aufgaben, die eine Professur mit sich bringt (Forschung, Lehre, Publikationsdruck, Gremienarbeit, etc.), wenig Zeit qualitativ hochwertige Lehre anzubieten. Um dies zu gewährleisten, wäre eine Entlastung in den Fächern notwendig, die im derzeitig hierarchischen System nur durch mehr Professor*innen erreicht werden kann. Drittmittel jeglicher Art sind aber wie gesagt zeitlich begrenzt, während Professuren per se unbefristete Stellen sind. Insofern können diese durch Drittmittel nicht geschaffen werden.Wir sehen eine Bewerbung als Exzellenzuniversität kritisch. Der Titel einer "Exzellenzuniversität" kann, unabhängig von dem tatsächlichen Nutzen, zu einem Prestigegewinn bei den Menschen in Hamburg führen. Dies würde die Universität Hamburg zu einem attraktiveren Wissenschaftsstandort in Norddeutschland machen und auch zu internationalem Renommee verhelfen, was wiederum mehr Bewerber*innen an die Uni lockt. Die Verhandlungsposition der UHH gegenüber der Bürgerschaft würde ebenfalls gestärkt, z.B. wenn es um die Vergabe von Landesmitteln geht. Kritik unsererseits besteht andieser Stelle allerdings daran, dass durch den Sparzwang der Schuldenbremse und der aktuellen "Politik der Schwarzen Null" ein künstlicher Investitionsstau geschaffen und umverteilte Mittel dann anderen Stellen fehlen. Dadurch entsteht ein Konkurrenzdruck unter den verschiedenen Kultur- Bildungs- oder Sozialeinrichtungen der Stadt, welchen wir ablehnen.

Exzellenzuniversitäten bekommen weiterhin qua ihres Titels nochmals zusätzliche Förderung. Dies ist unserer Meinung nach ungerecht gegenüber den Universitäten, welche nur wenige oder keine Cluster einwerben konnte. Unis, die sowieso schon gut finanziert werden, bekommen so noch mehr Mittel und Unis, welche eigentlich Gelder für ihre Entwicklung benötigen, werden vernachlässigt. Dies könnte langfristig tatsächlich den Ausbau eines Zwei-Klassen-Hochschulsystems befördern. Zudem wäre eine Trennung zwischen wenigen hochspezialisierten MA-Studiengängen und einer breiten Abfertigung der Massen für den Arbeitsmarkt im BA-Studium erwartbar. Eine solche Spaltung in Elite und Masse würde also insgesamt zu einem Qualitätsverlust in der deutschen Hochschullandschaft führen. Eine Lösung für das Problem wären insofern nicht zeitlich und örtlich begrenzt vergebene Exzellenzmittel, sondern eine flächendeckende, ausreichende und vor allem stetige Grundfinanzierung aller Universitäten durch Bund und Länder.