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Zwischenstand zum Reformprozess an der Uni Hamburg

Seit einigen Jahren werden an der Universität Hamburg die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt. Diese Studienreform wird in weiten Teilen Europas vorgenommen, insgesamt 47 Staaten beteiligen sich an dem „Bologna-Prozess“.

  • Ziele der Studienreform

Im Gegensatz zu den bisherigen Diplom- und Magisterstudiengängen in Deutschland wird nun ein zweistufiges System eingeführt, bei dem der Bachelor zum Regelabschluss werden soll. Der optionale Master soll dann vor allem Studierende auf eine wissenschaftliche Karriere vorbereiten. Mit den neuen Studiengängen sind eine Modularisierung und studienbegleitende Prüfungen verbunden, die Abschlussarbeit verliert also deutlich an Bedeutung.

Grundsätzlich soll das neue Studiensystem die europaweite Vergleichbarkeit von Studiengängen fördern und auch die Abschlüsse inklusive der Abschlussnoten durch ein vereinheitlichtes Abschlusszeugnis (Diploma Supplement) kompatibler und transparenter machen. Durch das Leistungspunktesystem (ECTS), das die quantitativen Studienanforderungen kompatibel machen soll, soll die Mobilität der Studierenden zwischen den europäischen Universitäten gefördert werden.

Insgesamt zielt der Bologna-Prozess darauf ab, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen und somit die Attraktivität der europäischen Hochschulen und Studiengänge zu erhöhen. Siehe auch: Bachelor-Master-Grundlagen.

  • Umsetzung an der Uni Hamburg

In den letzten Jahren wurde auch an der Uni Hamburg das Bologna-System eingeführt. Inzwischen sind die Bachelor- und Masterstudiengänge weitgehend implementiert worden. Ursprünglich hatte eine Arbeitsgruppe vorwiegend aus den Geisteswissenschaften unter Federführung des Vizepräsidenten Fischer Grundzüge eines uniweiten Modells erarbeitet. Dieses sieht insbesondere für den Bachelor-Bereich zwei Varianten vor: Eine sieht einen geisteswissenschaftlichen BA vor, der ein Nebenfachanteil von 25% enthält, die andere Variante, der naturwissenschaftliche BA, enthält dieses Nebenfach nicht, dafür ein um die so gesparten 25% erweitertes Hauptfach.

Insgesamt wurden die Studiengänge aber in den Fakultäten, Fachbereichen und Fächern weitestgehend dezentral entwickelt. Zusätzlich dazu wurde eine Umstellung des Lehramtsstudiums auf das neue BA/MA-System beschlossen, was zu weiterem Planungsaufwand führte. Der momentane Stand ist, dass Studiengänge von unterschiedlichster Qualität und Studienquantität entwickelt wurden. Somit sind die deutschlandweiten oder sogar europaweiten Probleme bei der Umsetzung der Bologna-Reformen auch in Hamburg spürbar.

  • Allgemeine Probleme bei der Umsetzung der Bologna-Reformen

Die Ziele und die Bologna-Modelle wurden den Personen, die die Studiengänge entwickelt haben, wohl zu wenig oder zu undeutlich kommuniziert. Es zeigt sich momentan, dass die Bologna-Studiengänge kaum vergleichbar sind, sondern die Studierenden in ein enges Korsett an Anforderungen und Prüfungen quetschen. Außerdem treten immer wieder berechtigte Beschwerden über eine zu hohe Arbeitsbelastung und eine zu hohe Prüfungsbelastung auf. Hiervon sind sowohl Studierende als auch Professoren betroffen, die nun eine deutlich höhere Anzahl an Prüfungen korrigieren müssen.

Dabei sieht das Bologna-Modell eine Modularisierung und damit auch eine Reduzierung von Prüfungsleistungen vor, indem mehrere Lehrveranstaltungen zu einem Modul zusammengefasst werden sollen, das mit einer (!) Modulabschlussprüfung abgeprüft wird. Die momentane Praxis, im Prinzip jede Lehrveranstaltung abzuprüfen resultiert daraus, dass oftmals die alten Diplom- und Magisterstudiengänge in das neue Modell gequetscht wurden.

Ergänzend hierzu wurde oftmals die Workload, also die Zeit, die laut Credit-Punkt-System für das Studium aufgewendet werden soll, falsch berechnet oder falsch verteilt. Dies alles hat dazu geführt, dass sich die Wissenschaftssenatorin Gundelach nun damit befassen möchte, eine Reform der Bologna-Reform in Hamburg anzustoßen, um den Fehlentwicklungen entgegen zu wirken. Siehe auch: Bachelor-Master-Grundlagen.

  • Probleme an der Universität Hamburg

Neben den allgemeinen Problemen gibt es an der Uni Hamburg auch spezifische Probleme bei der Bachelor- und Mastereinführung. Noch immer sind viele Lehrende nicht ausreichend über die neuen Studiengänge und die jeweiligen Anforderungen informiert und verlangen von Studierenden häufig mehr als vorgesehen ist. Außerdem ist die Qualität der Lehre teilweise sehr unterschiedlich und Handlungsoptionen bei schlechter Lehre sind kaum vorhanden. Zudem gibt es bei der Korrektur von Prüfungen immer wieder Probleme bei der Einhaltung der Fristen.

In vielen Studiengängen wird von Studierenden erwartet, dass sie anwesend sind, auch wenn sie beispielsweise ein Modul nur wiederholen oder zwei Pflichtveranstaltungen an einem Termin belegen müssen. Diese strikte Anwesenheitspflicht, die sich zudem nur unter zeitintensivem Verwaltungsaufwand kontrollieren lässt, behindert oftmals ein erfolgreiches Studium. Dasselbe gilt auch für Prüfungen, wo in vielen Studiengängen eine Teilnahmepflicht beim ersten Prüfungsversuch besteht. Nimmt man nicht teil, so hat man auch kein Recht auf die Wiederholungsprüfung. Daneben ist auch noch die Verwaltung teilweise nicht oder kaum in der Lage, die neuen Studiengänge adäquat zu begleiten und zu verwalten.

Das vielleicht bemerkenswerteste Problem an der Universität Hamburg ist aber, dass die Verwaltung und Planung der neuen Studiengänge überwiegend aus Studiengebührenmitteln finanziert wird, obwohl dies eigentlich eine Kernaufgabe der Universität ist, für die Studiengebühren nicht verwendet werden dürfen.

  • Masterplätze

Immer wieder wird das Thema Masterplätze auf die Tagesordnung geholt, da von einigen Studierenden befürchtet wird, dass diese nicht ausreichend sein könnten. Im Jahr 2003 wurde von der so genannten Dohnanyi-Kommission vorgeschlagen, dass die Universität Hamburg für ca. 50% der Bachelor-Studierenden einen Masterplatz anbieten sollte, wobei es bei Naturwissenschaften deutlich mehr als in den Geisteswissenschaften geben sollte. Diese Zahlen haben, nicht ganz zu Unrecht, immer wieder für Kritik gesorgt, vor allem, da sie eine Prognose waren, deren Datengrundlage nie veröffentlicht wurde. Dennoch wurden diese Prognosewerte als Grundlage für die Masterkapazitäten genommen.

Ob die Masterplätze ausreichend sein werden, ist bisher nicht feststellbar. Es liegen schlichtweg keine Erfahrungswerte vor, wie viele Studierende tatsächlich von einem Bachelor in einen Master wechseln möchten, vor allem, da der Bachelor ja eigentlich der berufsqualifizierende Regelabschluss sein soll. Außerdem ist auch nicht bekannt, welche Anzahl von Studierenden sich von anderen Universitäten in Hamburg für einen Master bewirbt und welche Studierende von Hamburg aus sich an anderen Universitäten bewerben. Zudem zeigen aktuelle Entwicklungen, dass ein Masterangebot auch für kleinere Einrichtungen wie etwa Forschungszentren attraktiv geworden ist. Somit werden also auch hochspezialisierte Masterangebote geschaffen, die in vielen Fächern zusätzlich zu dem regulären Masterstudiengängen der Universität zur Verfügung stehen. Siehe auch: Masterkapazitäten.

  • Was wir als AStA zur Verbesserung der Situation fordern

Generell meinen wir, dass die Grundidee des Bolognaprozesses richtig ist und das neue Studiensystem deswegen grundsätzlich positiv zu bewerten ist. Allerdings fordern wir deutliche Verbesserungen in den Studiengängen selber. Die Bachelor- und Masterstudiengänge müssen eigentlich nur so umgestaltet werden, dass sie den Bolognavereinbarungen und dem Bolognagedanken entsprechen. Einen neuen Bolognaprozess brauchen wir also nicht. Konkret fordern wir folgendes:

  • Der Workload muss angemessen berechnet werden, zu oft werden etwa Prüfungen oder Vorbereitungszeiten nicht ausreichend berücksichtigt.
  • Der Workload muss gleichmäßig über die Vorlesungszeit verteilt werden, also nicht nur in die Vorlesungszeit verlagert werden. 
  • Die Anzahl der Prüfungen muss drastisch reduziert werden. Für ein Modul sollte es nur eine Modulabschlussprüfung geben, zudem könnten Seminarleistungen wie etwa Referate, Essays oder Projektarbeiten zu einer vollwertigen Prüfung aufgewertet werden.
  • Die Lehre muss qualitativ verbessert werden. Bisher wurde vor allem die Quantität der Lehre erhöht, ohne jedoch die Qualität ausreichend zu berücksichtigen. Deshalb fordern wir eine flächendeckende, einheitliche Evaluation der Lehre und verbindliche Konsequenzen aus den Ergebnissen.
  • Für die Vergleichbarkeit der Abschlussnoten fordern wir die Einführung eines Diploma Supplements an der Universität Hamburg, wie es im Bologna-Prozess vorgesehen ist. Dieses einheitliche Zeugnis macht unterschiedliche Abschlussnoten mit einem einheitlichen Schema vergleichbar.

Sollten diese Forderungen in die neuen Studiengänge einfließen, könnten diese massiv verbessert werden. Eine Rückkehr zu den alten Diplom- und Magisterstudiengängen, die auch viele Nachteile hatten, ist nicht notwendig. Unser Ziel ist es vielmehr, dass die Universität Hamburg flächendeckend über europaweit akzeptierte Studiengänge verfügt, die Studierende inhaltlich fordern, aber zeitlich nicht überfordern. Gute Studienbedingungen, selbständiges lernen, eigene Impulse und Freiräume sind wichtig für ein erfolgreiches Studium. Man lernt schließlich nicht für Prüfungen, sondern für das Leben.

Weiterführende Links:
Hochschulreform geht in die zweite Runde: Reform der Bologna-Reform
Memorandum zur weiteren Reform der Bachelor-Master-Studienstruktur