Semesterbeitragserhöhung - Das sagt die Fachschaftsrätevernetzung!
1. Oktober 2026
An den Senat und die Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg:
Stellungnahme der Fachschaftsrätevernetzung der Universität Hamburg zur Erhöhung des Semesterbeitrags
Als Fachschaftsräte der Universität Hamburg vertreten wir direkt die über 42.707 Studierenden (Stand 2025/26 [1]), die in dieser Stadt leben, studieren und arbeiten. In dieser Funktion verurteilen wir die erneute Erhöhung des Semesterbeitrags um 18 Euro auf nun 402 Euro. Noch vor zwei Jahren lag der Beitrag bei 335,00 Euro (vgl. Semesterbeitragsbescheinigungen 2024/25 und 2026/27). Verantwortlich für diesen Sprung ist insbesondere die Anhebung der Semestertickets, durch das immer teurere Deutschlandticket. Ebenfalls droht weiterhin eine Erhöhung der Verwaltungsgebühr von 50 auf 80 € was zu einer erneuten Erhöhung des Semesterbeitrags führen wird.
Diese Erhöhung trifft Studierende, die schon jetzt größtenteils unter der Doppelbelastung aus Studium und Lohnarbeit leiden, nur um sich das Leben in dieser teuren Stadt überhaupt leisten zu können. Verschärft wird die Lage zusätzlich dadurch, dass die Stadt Hamburg Kürzungen in Lehre und Forschung an den Hamburger Hochschulen vornimmt. Dies ist Ausdruck einer Umverteilungspolitik, die einseitig Unternehmen und Vermögende begünstigt.
Die Anhebung der Verwaltungsgebühr durch die Stadt Hamburg stehen dabei nicht isoliert da. Sie reiht sich ein in eine auf Landes- und Bundesebene durchgeführte Serie von Angriffen auf die Daseinsvorsorge, auf das Gesundheits- und Bildungswesen sowie auf Arbeitnehmer:innenrechte, man denke etwa die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag oder an den Versuch durch eine geplante Reform, den 8-Stunden-Tag aufzukündigen.
Auf der einen Seite steigen die Gebühren, und die Kosten werden auf Rentner:innen, Arbeiter:innen, Auszubildende und Studierende abgewälzt. Gleichzeitig wird in der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Bildung gekürzt, und das Gesundheitswesen wird zugrunde gerichtet. Auch im öffentlichen Dienst werden Stellen gestrichen – nicht nur in Behörden, sondern auch an Schulen (etwa bei Schulbegleiter:innen) und Hochschulen (etwa bei Professuren, Lehraufträgen und Verwaltungspersonal). Kulturschaffende der Stadt müssen um ihre Existenz bangen, und an der Universität Hamburg werden das Lehrangebot und die Arbeitsbedingungen immer schlechter und kaputt gekürzt.
Während all das passierte, mussten wir zugleich mit ansehen, wie:
- Millionen in eine Olympia-Bewerbung flossen, für die sich in Hamburg im Kern nur die Elbchaussee und Walddörfer begeistern konnte [2],
- die Kühne-Oper mit über 249,5 Millionen Euro subventioniert wird [3], obwohl mit der Staatsoper bereits ein städtisches Opernhaus existiert,
- und knapp die Hälfte des Elbtowers für 595 Millionen Euro gekauft werden soll [4].
- bis zu 8 Milliarden für die Ausweitung, Modernisierung und Militarisierung des Hafens eingefordert und bereits jetzt hunderte Millionen ausgegeben werden [5], [6].
Getragen wird diese Politik unter anderem von Finanzsenator Andreas Dressel. Er betont regelmäßig, es fehle das Geld, um die Hochschulen auskömmlich zu finanzieren und eine tarifliche Bezahlung aller Beschäftigten – auch der studentischen – umzusetzen. Zugleich zeigt er keinerlei Zurückhaltung, sobald es um Prestigeprojekte oder die Olympia-Bewerbung geht oder bei den nun anstehenden Kürzungen der Studienplätze für die kommenden Semester.
Mit dieser Politik greift der rot-grüne Senat unsere Lebenssituation als Studierende unmittelbar an und verschärft Existenzangst und Armut junger Menschen. Studieren ist kein Privileg, sondern häufig die Voraussetzung, um in diesem System überhaupt eine Anstellung zu finden, die ein Leben – und nicht nur ein Überleben – ermöglicht.
Sollte der Stadt tatsächlich das Geld fehlen, gäbe es einen naheliegenden Ansatz: die noch nicht eingetriebenen Steuern einfordern – über 1,4 Milliarden Euro bis 2030 [7] – statt weiterhin jährlich hunderte Millionen Euro an Steuerschulden gegenüber Unternehmen und superreichen Erb:innen zu erlassen [8].
Als Fachschaftsräte kritisieren wir diese Erhöhung und die Kürzungen auf unseren Rücken und nehmen diese nicht so einfach hin!
Wir fordern:
- Die Ausfinanzierung der Hochschulen und Universitäten sowie aller öffentlichen Bildungseinrichtungen und ein Ende des Einstellungsstopps, der Vakanz und der Stellenstreichungen
- Die Ausfinanzierung des Studierendenwerks, damit dieses seinen Aufgaben nach bezahlbarem Wohnraum, finanzieller Unterstützung und Beratung mit genug Personal nachkommen kann
- Die Subventionierung des Semestertickets, analog zum Schüler- und Azubiticket.
Unterzeichnet von:
FSR Geschichte
FSR Handelslehramt
FSR Sozialökonomie
FSR Philosophie
FSR Geographie
FSR Kunstgeschichte
FSR Mathematik
FSR Psychologie
FSR Bewegungs- und Gesundheitswissenschaften
FSR Sonderpädagogik
FSR Lehramt
FSR Ev. Theologie
FSR Sozialwissenschaften
FSR Gewerbelehramt
FSR Gebärdensprachen
FSR Gebärdensprachdolmetschen
FSR Musikwissenschaft
FSR Geowissenschaften
FSR Integrated Climate System Sciences
Belege:
[1]:https://www.uni-hamburg.de/uhh/profil/fakten.html, 08.07.2026
[2]:https://www.ndr.de/sport/mehr_sport/hamburgs-senat-gibt-millionen-fuer-geplante-olympia-bewerbung-frei,olympia-400.html, 08.07.2026
[3]:https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/hamburgische-buergerschaft-macht-weg-fuer-neues-opernhaus-frei,buergerschaft-136.html, 08.07.2026
[4]:https://www.iz.de/transaktionen/news/-die-stadt-will-den-halben-elbtower-kaufen-2000038544, 08.07.2026
[5]:https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/acht-milliarden-euro-investitionsbedarf-im-hamburger-hafen,hafen-210.html, 08.07.2026
[6]:https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1209006/4826cfb37eed8a34e15cfe17846fd0ac/finale-fassung-01-hhp-gesamthaushalt-data.pdf, 19.08.2026
[7]:https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/steuereinnahmen-in-hamburg-gehen-deutlich-zurueck,steuereinnahmen-120.html, 08.07.2026
[8]:https://www.abendblatt.de/hamburg/politik/article411302236/rekord-hamburg-laesst-sich-740-millionen-euro-an-steuern-entgehen.html, 08.07.2026
