Kürzungen an der Uni Hamburg
Lage an der Uni Hamburg
Stand: 21.01.2026
Die Uni Hamburg ist strukturell unterfinanziert und kann mit dem von der Stadt Hamburg bereitgestellten Budget Personal, Gebäude, Forschungsequipment oder Ähnliches nicht ausreichend bezahlen. Diese Tatsache steht seit Jahren fest, denn das Geld von der Stadt reicht nicht aus, um den Bedarf und die Kosten zu decken. So wächst die strukturelle Unterfinanzierung kontinuierlich.
Durch diesen Kurs der Stadt Hamburg und die Umverteilung der finanziellen Lasten und der Verantwortung auf Angestellte und Studierende geraten immer wieder die Arbeits- und Studienbedingungen ins Visier und verschlechtern sich. Da ein Hauptkostenpunkt der Fakultäten die Lohnkosten sind, wird genau hier versucht, Gelder zu sparen: Streichung von Stellen oder prekäre und außertarifliche Arbeitsverhältnisse sind die Folge.
Seit 2013 musste die Uni Hamburg ihre finanziellen Rücklagen auf Aufforderung der Stadt Hamburg aufbrauchen. Der Abbau der Rücklagen sollte mit einer Anpassung des Budgets einhergehen, das ist so nie passiert.
Die Folgen der damaligen Sparpolitik sehen wir auch heute: Bekannte Beispiele sind das Geomatikum an der Bundesstraße und die Chemie am Martin-Luther-King-Platz (MLK). Kaputte Decken, Sanitäranlagen, Hörsäle und Seminarräume sind ein trauriger Standard.
Da diese Sparpolitik nicht nur die bauliche Infrastruktur, sondern auch die Lehr- sowie die Arbeitsbedingungen des akademischen, technischen und Verwaltungspersonals betrifft, wurden Stellen über Jahre hinweg systematisch nicht nachbesetzt. Die Folge ist eine zunehmende Arbeitsverdichtung und Überlastung aller Beschäftigtengruppen.
Besonders deutlich zeigt sich diese Überlastung bei den studentischen Beschäftigten. Vor diesem Hintergrund gründete sich 2021 die gewerkschaftliche Initiative TV-Stud, die für einen eigenen studentischen Tarifvertrag kämpft. Studentische Beschäftigte sind bis heute von tariflicher Bezahlung ausgeschlossen – welche in Teilen aus zu spät ausgezahlt wird -, obwohl die Arbeit der rund 4.000 studentischen Angestellten an den Hochschulen unverzichtbar für den wissenschaftlichen Betrieb und die Lehre ist.[1]
Was passierte 2025?
2025 waren die ganzen finanziellen Rücklagen der Uni Hamburg aufgebraucht, es kamen aber jährliche Mehrkosten in Höhe von 17,6 Mio. Euro dazu. Um diese Summe aufzubringen, verpflichtete das Präsidium alle Fakultäten dazu, 4,5 % einzusparen, also Kürzungsmaßnahmen zu ergreifen.
Dieser sogenannte „Kostenbeitrag“ zwingt die Fakultäten zu Einschränkungen in Lehre und Forschung sowie zu konkreten Verschlechterungen der Arbeits- und Studienbedingungen. Diese Maßnahmen sind bereits in vollem Gange, und obwohl nicht einmal die 4,5 %, sondern nur durchschnittlich 1,8 % erreicht wurden, zeigen sich bereits massive Auswirkungen auf die Studienbedingungen.
Kurz vor Semesterbeginn gründete sich daher ein Bündnis gegen die Unterfinanzierung der Uni und gegen die parallele Erhöhung des Semesterbeitrags um etwa 50 Euro. Die Mehrkosten resultieren vor allem aus der Erhöhung des Semestertickets sowie der Finanzierung des Studierendenwerks Hamburg (STWHH). Auffällig ist dabei auch wieder einmal, dass die Studierendenschaft ca. 11,7 Mio. Euro deutlich mehr finanziert als die Stadt Hamburg. [2] Wir schultern also auch hier die Unterfinanzierung, indem wir mehr zahlen.
Das Unipräsidium lehnte es bei einem Gespräch mit AStA sowie Vertreterinnen der Fachschaften ab, sich mit den Studierenden öffentlich zu solidarisieren und den Kampf gegen die Kürzungen mitzuführen. Stattdessen setzte es auf private Verhandlungen mit der Stadt Hamburg. Als der Druck aus den Fakultäten weiter wuchs, veröffentlichte das Präsidium schließlich einen „Brandbrief“ an die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung. Darin wird explizit erwähnt, dass der Abbau der Rücklagen auf Aufforderung der Stadt Hamburg erfolgte und damit strukturelle Engpässe über Jahre kaschiert wurden. Die Verantwortung liege bei der Stadt Hamburg.[3]
Diese Verantwortung versuchte Maryam Blumenthal (Bündnis 90/Die Grünen), Senatorin der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung (BWFG Hamburg), in einer Sitzung des akademischen Senats (AS) vom 11.12.25 auf die Uni, die Angestellten und die Studierenden abzuwälzen.
Kürzungsperspektive: „Strukturprozess“ 2026
Da das Budget der Uni Hamburg weiterhin zu gering ist und die Stadt Hamburg bisher keine zusätzlichen Mittel bereitstellen will, wird an der Uni nun weiter abgebaut. Es geht an die Substanz.
Auch wenn teilweise argumentiert wird, es handele sich nicht um Kürzungen, da das Grundbudget um 2 % ansteige, ist eines klar: Dort, wo Stellen abgebaut werden und Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren, in der Lehre eingespart wird und Lehrangebote schrumpfen und Fakultäten ihre zukünftige Arbeit nicht mehr planen können, dort wird gekürzt.
Der sogenannte „Strukturprozess“ – also der systematische Abbau von Lehre und Arbeitsplätzen, das Zusammenlegen von Verwaltung sowie Kosteneinsparungen durch Sachmittelkürzungen – stellt einen direkten Angriff auf die Lehr- und Arbeitsbedingungen aller an der Universität Beschäftigten und Lernenden dar.
Der ab 2026 beginnende sogenannte „Strukturprozess“ basiert auf unterschiedlichen Berechnungen zur zukünftigen Finanzlage der Universität Hamburg. Konkret werden drei Szenarien betrachtet, nach denen bis zum Jahr 2032 Finanzierungslücken von „nur“ 37 Mio. Euro oder bis zu 61 Mio. Euro entstehen werden.
In der Planung des Strukturprozesses und bei der Verteilung der Kürzungen auf die Fakultäten orientiert sich die Universitätsleitung am optimistischsten dieser Szenarien und geht von durchschnittlichen Kürzungen des Gesamtbudgets in Höhe von 13 % bis 2032 aus.
Die Kürzungen ergeben sich aus mehreren Faktoren: Zum einen gibt es bereits eine strukturelle Unterfinanzierung von 17,6 Mio. Euro. Hinzu kommen zusätzliche Finanzierungslücken in einzelnen Fakultäten, zum Beispiel in der Psychologie und Bewegungswissenschaft sowie in der MIN-Fakultät, die zusammen etwa 5 Mio. Euro betragen. Zum anderen verschärft sich die sogenannte „Kostenschere“ weiter: Das Budget steigt jährlich nur um 2 %, während die Kosten um rund 3 % pro Jahr wachsen. Zusätzlich wird für den Zeitraum von 2026 bis 2032 ein Reallohnverlust von 1 % angenommen, was die finanzielle Lage weiter belastet.
Der gesamte „Strukturprozess“ wird von einem Optimismus auf mehr Zuschüsse durch die Stadt begleitet. Diese hat jedoch mehrmals klargestellt, dass es keine geben wird, und auch andere Gelder, wie die Exzellenzmittel, werden wohl geringer ausfallen als erhofft.
Eines bleibt klar: So wenig Informationen wie uns aktuell zur Verfügung stehen, so deutlich spüren wir die Auswirkungen des Kürzungskurses der Stadt Hamburg an unserer Hochschule. Die durchschnittlichen 13 % sind ein Angriff auf uns alle und einige Fakultäten trifft es sogar noch härter: In der MIN- oder PB-Fakultät ist bereits jetzt schon von 16–24 % Kürzungen die Rede, damit geht es auch um die Existenz ganzer Studiengänge, sowie Schwerpunkte und Arbeitsplätze. Bis 2032 sollen uniweit 370 bis 400 Vollzeitstellen in allen Bereichen gestrichen werden. Von diesem Kurs sind vor allem kleinere Studiengänge bedroht.
Über unsere Köpfe hinweg? – Nicht mit uns!
Jede Kürzungsmaßnahme – ob der Abbau von Tutor*innenstellen, die Streichung von Seminaren, der Wegfall von Verwaltungsstellen oder Einsparungen bei Sachmitteln – wird ohne die Beteiligung der betroffenen Interessensgruppen durchgesetzt. Besonders wir Studierende sind davon betroffen: Wir werden an keiner Stelle in die Entscheidungen einbezogen, sollen aber am Ende die Konsequenzen tragen, die aus dem Kürzungskurs der Stadt Hamburg und dessen Weitergabe vom Präsidium an die Fakultäten entstehen.
Kürzungen sind kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen, Bildung unterzufinanzieren. Es liegt an uns allen an der Universität Hamburg Arbeitenden und Lernenden, für den Erhalt der Lehre und für eine ausfinanzierte Bildung zu kämpfen.
Der sogenannte „Strukturprozess“ ist ein direkter Angriff auf unsere Studien- und Arbeitsbedingungen. Nur gemeinsam, solidarisch und Seite an Seite mit den Beschäftigten können wir für den Erhalt und die vollständige Finanzierung von Lehre und Forschung, für alle Arbeitsplätze sowie für bessere Arbeitsbedingungen und eine tarifliche Bezahlung für alle eintreten.
Organisiert euch in euren Fachschaften, bei TV-Stud und in den Gewerkschaften! Kommt am 28.01.2026 um 10 Uhr zum bundesweiten Hochschulaktionstag auf den Campus der Uni Hamburg!
Referat für Campusdemokratie
Verweise:
[1] Hamburger Abendblatt: „Hamburger Unis in der Kritik: Löhne zu spät ausgezahlt“ (https://www.abendblatt.de/hamburg/politik/article410931717/so-prekaer-sind-die-arbeitsbedingungen-von-studenten-an-hamburger-unis-1.html, 16.01.2026)
[2] Vgl. Geschäftsbericht des STWHH 2024 (https://www.stwhh.de/fileadmin/user_upload/STW_Hamburg/__Downloads/Presse/Geschaeftsberichte/Geschaeftsbericht_2024_STWHH2.pdf, 16.01.2026)
[3] Süddeutsche Zeitung: „Uni sieht Arbeit angesichts knapper Mittel gefährdet“ (https://www.sueddeutsche.de/bildung/hochschulfinanzierung-uni-sieht-arbeit-angesichts-knapper-mittel-gefaehrdet-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-251208-930-395408, 16.01.2026)
