Wir raten vom Studium an der Uni Hamburg ab!
12. Februar 2026
Wir, der AStA der Uni Hamburg, raten Studieninteressierten von einem Studium an der Uni Hamburg ab. Wie kommen wir dazu? Allein in diesem Jahr verzeichnet die Uni Hamburg ein finanzielles Defizit im zweistelligen Millionenbereich. Deshalb wurden die Fakultäten in diesem Semester bereits dazu aufgefordert 4,5 % einzusparen. Unter der aktuellen Unterfinanzierung wird je Fakultät ein Worstcase-Defizit und damit Kürzungen von 18,5% bis 24,5% prognostiziert. Obwohl die Uni Hamburg eigentlich für exzellente Lehre bekannt ist, können wir deshalb nicht davon ausgehen, dass sie angesichts der finanziellen Lage diesen Standard halten kann. Hierbei muss betont werden, dass – anders als zu häufig behauptet wird – die Universität die finanzielle Situation nicht selbst zu verschulden hat. Stattdessen ist die Untätigkeit der Freien und Hansestadt Hamburg die Quelle der Unterfinanzierung.
Was braucht es für ein gutes Studium?
Für herausragende Bildung, was den Anspruch der FHH sowie der Universität selbst darstellt, benötigt es eine dauerhafte, nachhaltige und umfängliche Finanzierung von Bildung und Forschung. Denn nur diese kann das für ein Studium notwendige Fundament bieten: Bereitstellung von Lehrmitteln, angemessene Anzahl an Tutorien, notwendige personelle Unterstützung der Professuren, wissenschaftliche Geräte, geöffnete Bibliotheken mit aktuellem Lehrmaterial und vieles mehr. Leider bröckelt dieses Fundament schon jetzt: Immer mehr Tutorien werden gestrichen, während es von der Decke tropft. Die Fachbereiche können das benötige Lehrmaterial nicht mehr vollumfänglich zur Verfügung stellen, wodurch bereits armutsgefährdete Studierende für diese Kosten aufkommen müssen. Zeitgleich werden die Stellen für Studentische Beschäftige gestrichen oder vakant gehalten, obwohl diese häufig den ersten Schritt in eine wissenschaftliche Karriere darstellen. Arbeitsgruppen, Tutorien und Übungen fallen weg, was das Bestehen von Kursen dramatisch erschwert. Gleichzeitig wird das Lehrangebot verringert, wodurch sich Studienzeiten verlängern. Diese Beispiele einer langen Liste an Kürzungssymptomen zeigt, wie die Studienbedingungen schon jetzt durch die aktuellen Kürzungen massiv verschlechtert werden. Wie eine Studierbarkeit der vielfältigen Studiengänge, die das breitaufgestellte Profil der Universität bilden, gewährleistet werden kann, wenn es zu Kürzungen von bis zu 24,5 % kommt, bleibt fraglich. So werden die Zukunftsaussichten für Studieninteressierte düster, sind sie doch auf einem wackeligen Fundament gebaut.
Allgemeine finanzielle Situation der Studierenden:
Die finanzielle Notlage der Uni Hamburg stellt nicht die einzige Hürde für ein Studium in Hamburg dar. Mieten, Lebenshaltungskosten und Preise für Mobilität befinden sich in Hamburg auf einem Allzeithoch, während studentische Jobs in der Wissenschaft wegfallen. Dabei ist weit bekannt, dass viele Studierende armutsgefährdet sind. Trotzdem steigen Mensapreise und die Wartelisten für einen Platz im Studierendenwohnheim bleiben lang. Dramatisiert wird diese Ausgangslage noch zusätzlich durch eine Steigerung des Semesterbeitrags. Zum Wintersemester 2025/26 ist der Semesterbeitrag um etwa 12 % gestiegen. Dem liegt vor allem die Preiserhöhung des Deutschlandtickets und des Studierendenwerkbeitrags zugrunde.
Reaktion der Universität:
Das Universitätspräsidiums hat auf die finanzielle Schieflage mit einem Brandbrief reagiert. Wir begrüßen diesen Brief, denn er legt ausführlich und eindrücklich dar, mit welchen Bedingungen Lehre an der Uni Hamburg aktuell zu ringen hat. Außerdem formuliert dieses Schreiben klare Forderungen, gegenüber der Stadt, die wir als Studierendenvertretung teilen und unterstützen.
Welches Risiko liegt in der Debatte über die Ausfinanzierung von Bildung und Forschung?
Es ist wichtig, hervorzuheben, dass eine Vielzahl verschiedener Gruppen im Bereich der Hamburger Wissenschaft von Sparmaßnahmen betroffen ist. Deshalb ist gegenseitige Solidarität unerlässlich. Aus den finanziellen Engpässen darf nicht das gegenseitige Ausspielen verschiedener Gruppen folgen. Seien es Studierende gegen Beschäftigte, seien es die Fakultäten gegeneinander, seien es die Uni Hamburg gegen kleinere Hochschulen oder seien es die Hochschulen gegen die Bibliotheken und das Studierendenwerk. Die Zukunftsperspektiven für Studierende an der Uni Hamburg sind aufgrund der Unterfinanzierung der Uni Hamburg gefährdet, aber auch, weil die gesamte Hamburger Wissenschaft mit Unterfinanzierung zu kämpfen hat.
Zukunftsperspektive:
Es liegt uns am Herzen, an einer verantwortungsbewussten, dauerhaft abgesicherten und qualitativ hervorragenden Lehre mitzuwirken. Unseren Beitrag dazu leisten wir zum Beispiel durch stetige (Gremien-)Arbeit zu Prüfungs- und Studiumsgestaltung, eigene Lehrveranstaltungen wie die Klimaringvorlesung oder durch unsere regelmäßigen Forderungen der Ausfinanzierung der Universität. Mit uns stehen Personalräte, TVStud, seit neustem auch öffentlich das Universitätspräsidium und viele weitere gegen die Unterfinanzierung der Hamburger Wissenschaft. Trotz dieser Bemühungen wurde noch keine stabile Ausfinanzierung der Hamburger Wissenschaft und insbesondere der Universität Hamburg erreicht. Ohne eine Ausfinanzierung der Uni Hamburg kann es dort keine erstklassige Lehre geben. Ohne erstklassige Lehre sehen wir uns den (zukünftigen) Studierenden verpflichtet, vor dem Studium an der Uni Hamburg zu warnen. Gerne würden wir für ein Studium an der Uni Hamburg werben. Dies können wir aber erst wieder tun, wenn ein solches Studium Studierenden eine sichere Perspektive bietet.
